Garantiezinssenkung ab 2017

Was bedeutet das - wer sollte jetzt handeln?

Timo Fischer, Leiter Vermögensberatung

Zum 1. Januar 2017 senkt das Bundesfinanzministerium den Garantiezins für Lebens- und Rentenversicherungen von bislang 1,25% p.a. auf 0,9% p.a. Damit reagiert es auf die langanhaltende Niedrigzinsphase.

Durch die Senkung des Garantiezinses reduzieren sich vor allem die garantierten Leistungen in der privaten und betrieblichen Altersvorsorge. Der Effekt wirkt sich insbesondere bei Verträgen mit langen Laufzeiten aus. Im Bereich der Risikoabsicherung hat die Zinssenkung ebenfalls Folgen. Hier werden die Beiträge steigen.

Meine Empfehlung: Wenn Sie Verträge abschließen oder Ihre Vorsorge überprüfen und optimieren möchten, sollten Sie dies zeitnah noch im Jahr 2016 tun. So profitieren Sie vom höheren Rechnungszins und damit von mehr garantierter Leistung bei gleichem Beitrag.


Kapitalbildende Versicherungen
Garantiezins als feststehender Bestandteil der Gesamtverzinsung

Der Garantiezins, auch Höchstrechnungszins genannt, bei Lebens- und Rentenversicherungen ist der gesetzlich geregelte Wert, mit dem der Sparanteil des Beitrags bis zum Vertragsende garantiert verzinst wird. Er gilt für die gesamte Laufzeit des Vertrages und ist ausschlaggebend für die Leistung, die Ihnen der Versicherer fest garantiert und zwar unabhängig von der jeweiligen Kapitalmarktsituation.

Die Höhe dieses Garantiezinses steht nicht im Belieben der einzelnen Anbieter. Der geltende Satz wird vom Bundesfinanzministerium per Verordnung festgesetzt, das seinerseits an eine gesetzliche Vorgabe gebunden ist: Der Garantiezins darf nicht mehr als 60 Prozent des langjährigen Durchschnitts der Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen betragen. So wird festgelegt, welche Verzinsung die Versicherer ihren Kunden maximal fest zusagen dürfen.

Hinzu kommt die Beteiligung an die Garantieverzinsung übersteigenden Erträgen des Anbieters in Form von jährlichen Überschussbeteiligungen und Schlussanteilen. Im Gegensatz zum Garantiezins werden diese jährlich neu festgestellt, beziehungsweise erst am Ende ausgewiesen. Sie sind bei Vertragsabschluss nicht garantiert.

Auch als Kapitalanlage relevant

Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht sind in den letzten Jahren nicht nur bei der Altersvorsorge, sondern auch als Instrument zur Geldanlage verstärkt in den Blick gerückt. Gerade sicherheitsorientierte Anleger schätzen im aktuellen Niedrigzinsumfeld die Garantien und Renditeperspektiven, die klassische Kapitalversicherungen bieten. Auch hier lohnt es sich noch im Jahr 2016 seinen persönlichen Handlungsbedarf zu überprüfen, um rechtzeitig aktiv zu werden.

Auswirkungen auf Risikoversicherungen

Die Garantiezinssenkung wirkt sich auf sämtliche Verträge in der Sparte Lebensversicherung aus. Somit verteuern sich auch die Beiträge für verschiedene Risikoversicherungen, z.B. für die Berufsunfähigkeitsversicherung, Pflegeversicherung oder Risikolebensversicherung. Je länger der zu versichernde Zeitraum ist, desto größer fällt die Beitragssteigerung aus. Hintergrund ist, dass die Versicherer mit den monatlichen Zahlungen auch Reserven aufbauen müssen. Diese Reserven unterliegen dem Garantiezins – je niedriger dieser ist, desto stärker müssen sie aus dem zu zahlenden Beitrag gefüllt werden. 

Was passiert mit bestehenden Verträgen

Bei allen bereits bestehenden Verträgen ändert sich nichts. Der bei Vertragsabschluss garantierte Zins bleibt erhalten. Ausnahme: Bei den meisten Versicherern wird bei der Einrechnung von Zuzahlungen, Beitragserhöhungen und dynamischen Beitragserhöhungen der für Erhöhungen jeweils gültige Garantiezins zugrunde gelegt.